Den Stellenmarkt gezielt durchsuchen: Neue Kundenchancen im eigenen Segment finden
Wie Personaldienstleister Stellen nach Rolle, Region und Unternehmen durchsuchen, Branchenfilter sinnvoll öffnen und interessante Anzeigen als Gesprächsanlass nutzen.
In diesem Artikel
Welche Unternehmen suchen in der Region nach Fachkräften, die zu unserer Spezialisierung passen? Diese Frage lässt sich auch ohne ein konkretes Kandidatenprofil beantworten. Für Personaldienstleister kann eine gezielte Marktsuche sichtbar machen, wo sich ein Gespräch über eine mögliche Zusammenarbeit lohnt.
Der Einstieg erfolgt häufig über vertraute Filter: bekannte Stellentitel, eine Branche, einzelne Unternehmen und die Region, in der das Team arbeitet. Das ist ein sinnvoller Ausgangspunkt. Entscheidend ist jedoch, diese erste Auswahl nicht mit dem gesamten relevanten Markt gleichzusetzen.
Besonders der Branchenfilter verdient einen zweiten Blick. Ein Unternehmen kann außerhalb Ihrer gewohnten Branche tätig sein und trotzdem genau die Aufgaben besetzen wollen, für die Sie geeignete Fachkräfte kennen oder finden können.
Mit einer klaren Suchfrage beginnen
Eine Marktsuche wird leichter beurteilbar, wenn ihr Ziel feststeht. „Interessante Stellen finden“ ist dafür zu allgemein. Konkreter wäre beispielsweise: „Welche Unternehmen suchen Buchhaltungsfachkräfte im Raum München?“
Damit stehen zunächst zwei Dinge fest: der fachliche Bereich und die Region. Ob der Arbeitgeber im Handel, in der Industrie oder im Dienstleistungsbereich arbeitet, ist noch offen.
Eine andere Suchfrage könnte bewusst enger sein: „Welche Stellen schreiben die Unternehmen aus, mit denen wir bereits zusammenarbeiten möchten?“ Hier hilft ein Unternehmensfilter, gezielt diese Arbeitgeber zu betrachten. Für die Entdeckung bislang unbekannter Unternehmen sollte die Suche anschließend auch ohne diese Begrenzung geprüft werden.
Die Stellenmarktdaten in talentkiwi unterstützen diese Arbeit mit einer gefilterten Liste offener Stellen. Der Überblick entsteht durch die Recherche und Prüfung konkreter Anzeigen, nicht durch eine Trendanalyse oder eine Prognose des Marktes.
Rolle, Region und Unternehmen bewusst kombinieren
Beginnen Sie mit den Rollen, die Ihr Team fachlich einschätzen kann, und dem Gebiet, in dem Sie Kunden betreuen möchten. Prüfen Sie anschließend, ob die gefundenen Aufgaben Ihrer Suchabsicht entsprechen.
Ein Stellentitel ist dabei eine Orientierung, aber noch keine vollständige Aufgabenbeschreibung. Unterschiedliche Unternehmen können ähnliche Tätigkeiten verschieden benennen. Umgekehrt kann derselbe Titel für unterschiedliche Verantwortung stehen. Lesen Sie deshalb einige Inserate, bevor Sie entscheiden, ob die Suche zu breit oder zu eng ist.
Die Filter erfüllen unterschiedliche Aufgaben:
- Rolle oder Stellentitel: Welche fachlichen Tätigkeiten wollen Sie finden?
- Region: Wo möchten Sie den Markt bearbeiten?
- Unternehmen: Wollen Sie bestimmte Arbeitgeber prüfen oder neue entdecken?
- Branche: Ist ein bestimmtes Branchenumfeld wirklich notwendig oder lediglich vertraut?
Setzen Sie nicht jede bekannte Eingrenzung automatisch als Voraussetzung. Wenn nur die Schnittmenge aller Filter sichtbar bleibt, können relevante Stellen schon vor der fachlichen Prüfung verschwinden.
Warum die Branche des Arbeitgebers nicht die Aufgabe definiert
Ein fiktives Beispiel: Ihr Team vermittelt regelmäßig Fachkräfte für die Buchhaltung bei Dienstleistungsunternehmen. Sie durchsuchen offene Stellen in Ihrer Region und begrenzen die Arbeitgeber auf diese Branche.
Damit könnten Sie eine Buchhaltungsstelle bei einem Handelsunternehmen ausschließen, obwohl die ausgeschriebenen Aufgaben zu Ihrer Spezialisierung gehören. Der Arbeitgeber arbeitet in einem anderen Markt; die gesuchte berufliche Tätigkeit kann trotzdem relevant sein.
Das bedeutet nicht, dass Branchenkenntnisse unwichtig sind. Manche Stellen verlangen spezifische Erfahrungen, die sich nicht ohne Weiteres übertragen lassen. Der Unterschied sollte aber anhand der tatsächlichen Anforderungen geprüft werden, statt allein aus der Branchenzuordnung des Unternehmens abgeleitet zu werden.
Hilfreich sind drei Fragen:
- Welche Aufgaben soll die gesuchte Person konkret übernehmen?
- Welche Kenntnisse sind dafür unverzichtbar?
- Ist Erfahrung in genau dieser Branche erforderlich oder könnte vergleichbare Erfahrung aus einem anderen Umfeld ausreichen?
So trennen Sie die fachliche Spezialisierung Ihrer Vermittlung vom Wirtschaftszweig des Arbeitgebers. Diese Unterscheidung kann den Blick auf Unternehmen öffnen, die in einer vertrauten Branchensuche nicht auftauchen.
Die Suche schrittweise öffnen statt wahllos erweitern
Wenn eine Suche nur wenige interessante Stellen liefert, verändern Sie zunächst eine Eingrenzung. Behalten Sie beispielsweise Rolle und Region bei und prüfen Sie die Ergebnisse ohne Branchenfilter. So können Sie erkennen, welche zusätzlichen Arbeitgeber und Aufgaben sichtbar werden.
Bewerten Sie dann einige der hinzugekommenen Anzeigen. Sind sie fachlich relevant? Welche Unterschiede bestehen zu den bisher betrachteten Stellen? Gibt es einen guten Grund, die Branche wieder einzugrenzen?
Dasselbe Vorgehen hilft bei Stellentiteln: Prüfen Sie alternative Bezeichnungen für die gesuchten Tätigkeiten, statt sofort ganz andere Berufsfelder einzubeziehen. Ziel ist nicht die längste Liste, sondern eine Auswahl von Stellen, die Ihr Team sinnvoll bearbeiten kann.
Halten Sie kurz fest, welche Eingrenzung aus welchem Grund notwendig ist. Das erleichtert es auch Ihrem Team, die Suche nachzuvollziehen und später weiterzuführen.
Aus einer interessanten Anzeige einen Gesprächsanlass machen
Eine gefundene Stelle zeigt zunächst einen ausgeschriebenen Personalbedarf. Sie sagt noch nicht, ob das Unternehmen mit einem Personaldienstleister zusammenarbeiten möchte.
Prüfen Sie deshalb zuerst das Originalinserat und den Arbeitgeber. Welche Position soll besetzt werden? Ist die Anzeige noch verfügbar? Warum passt dieser Bedarf zur Spezialisierung Ihres Teams? Gibt es bereits einen Kontakt oder Informationen aus einer früheren Zusammenarbeit?
Das Ziel eines möglichen Gesprächs ist dann konkret: herausfinden, ob Unterstützung bei der Besetzung und die Vorstellung geeigneter Fachkräfte interessant wären. In einem entsprechend vorbereiteten Gespräch könnte die Frage beispielsweise lauten:
„Sie suchen aktuell Verstärkung für Ihre Buchhaltung. Wir sind auf die Vermittlung in diesem Bereich spezialisiert. Kommt für diese Position auch eine Zusammenarbeit mit einem Personaldienstleister infrage?“
Das Beispiel beschreibt den inhaltlichen Gesprächsanlass, nicht eine pauschale Erlaubnis zur telefonischen Ansprache. Die Voraussetzungen für den jeweiligen Kontaktweg sind gesondert zu klären. Aus einer veröffentlichten Anzeige allein sollte weder Einverständnis mit einer Ansprache noch mit der Zusendung von Unterlagen abgeleitet werden.
Sie müssen an diesem Punkt noch keine bestimmte Person für die Besetzung zusagen. Zunächst geht es darum, den Bedarf und das Interesse an einer Zusammenarbeit zu verstehen. Gibt es bereits eine passende Person, kann im weiteren Austausch geklärt werden, ob eine abgestimmte Vorstellung sinnvoll ist.
Marktsuche und Kandidatensuche ergänzen sich
Bei der Marktsuche beginnt die Arbeit mit einem Segment: bestimmten Tätigkeiten, einer Region oder ausgewählten Unternehmen. Beim kandidatenorientierten Matching steht dagegen eine konkrete Person mit ihrem Werdegang am Anfang.
Beide Wege können zu neuen Kundenchancen führen, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Wer bereits eine geeignete Person im Blick hat, findet im Beitrag zum Profilvertrieb in der Feststellenvermittlung den anschließenden Ablauf.
Für die segmentbezogene Suche bleibt die wichtigste Regel: Nutzen Sie vertraute Filter als Einstieg, aber prüfen Sie ihre Wirkung. Die Branche eines Unternehmens sollte nicht darüber entscheiden, ob Sie eine fachlich interessante Stelle überhaupt zu Gesicht bekommen.